Streptokokken in der Schwangerschaft

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Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit. Wenn ein kleiner Mensch in Ihnen heranwächst, ist das immer wieder ein Wunder. Jede Schwangere hofft, dass ihre Schwangerschaft ohne Probleme verläuft und am Ende mit der Geburt eines gesunden kleinen Erdenbürgers gekrönt wird. Das ist zwar meistens der Fall, aber doch nicht selbstverständlich.

Verschiedene Infektionen der Frau können sich auf das Ungeborene auswirken, teilweise mit fatalen Folgen. Eine dieser Krankheiten ist die Infektion mit Streptokokken. Dabei handelt es sich um Bakterien, die im Darm und auf der Haut sehr weit verbreitet sind. In den meisten Fällen bekommt der Träger das nicht mit, denn die körpereigene Abwehr hält sie in Schach. Es kommt nur selten zu Krankheitssymptomen.

Bei Schwangeren findet sich vor allem die Gruppe B der Streptokokken-Bakterien, welche sich bei 20 bis 30 Prozent der Schwangeren im Genitalbereich ansiedeln. Diese Art kann Probleme wie Harnwegsinfektionen oder Wundheilungsstörungen hervorrufen, aber auch das betrifft nur wenige Frauen.

Für das Ungeborene sind die Streptokokken in der Schwangerschaft meist ungefährlich. Die Infektion erfolgt erst während der Geburt und kann für Frühchen tödlich enden. Aber auch für reife Neugeborene kann die Infektion mit Streptokokken B verheerende Folgen haben. Aus diesem Grund dürfen Sie das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Streptokokken Test Schwangerschaft

Um eine Ansteckung des neugeborenen Babys zu vermeiden, sollten Sie einen Test durchführen, ob Sie mit Streptokokken B infiziert sind. Nach weltweit durchgeführten Studien ist jede dritte Schwangere davon betroffen. Doch wie kommt es dazu?

Die Bakterien sind in der Darmflora verbreitet. Vor allem im Analbereich sind sie angesiedelt, wo sie durch Schmierinfektion in die Scheide gelangen. Deswegen sollten Sie sich nach dem Stuhlgang immer in eine Richtung – nach hinten – säubern. So wird die Übertragung auf die Scheide verhindert.

Sind die Bakterien erst einmal in die Scheide gelangt, bereiten sie in der Schwangerschaft selbst meist keine Probleme. Sie werden erst für das Neugeborene gefährlich, das sich beim Geburtsvorgang mit Streptokokken B infizieren kann. Die Folgen können eine Blutvergiftung beim Frühchen sein, welche tödlich enden kann.

Aber auch beim reifen Neugeborenen kann es zu Komplikationen kommen, da die Erreger mit dem Blut im ganzen Körper verteilt werden und so zu den einzelnen Organen gelangen. Das Immunsystem von Neugeborenen ist noch nicht vorhanden, und so kann es zu schweren Infektionen kommen. Besonders gefürchtet ist die Hirnhautentzündung, die von den Bakterien ausgelöst wird.

Um festzustellen, ob sich bei der Schwangeren Streptokokken B in der Vagina befinden, wird eine mikrobiologische Untersuchung (ein sogenanntes B-Streptokokken-Screening) durchgeführt. Diese Untersuchung wird von den Kassen meist nicht übernommen, außer es besteht ein konkreter Verdacht auf eine Infektion. Wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten für den B-Streptokokken-Test generell als Vorsorgeuntersuchung während der Schwangerschaft.

Es kommen zwei verschiedene Verfahren zur Anwendung, um Streptokokken B in der Scheide nachweisen zu können. Beim Kulturverfahren muss ein bakteriologischer Abstrich der Scheide und des Enddarms (Rektum) genommen werden. Der Rektumabstrich wird oft als unangenehm empfunden und deswegen von einigen Ärzten durch einen Perianalabstrich, also einen Abstrich aus der Region um den Anus, ersetzt. Studien zeigen, dass die Aussagekraft des Perianalabstrichs gleichwertig zum Rektumabstrich ist. Diese Untersuchung sollte im letzten Trimester der Schwangerschaft (zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche) erfolgen. Bei dieser Art der Untersuchung steht das Ergebnis am nächsten Tag fest.

Schneller geht es mit den Schnelltests: Beim immunologischen Schnelltest liegt das Ergebnis direkt nach dem Abstrich vor. Der Nachteil besteht allerdings darin, dass sie weit weniger empfindlich sind und Streptokokken oft nicht erkannt werden. Daher wird diese Art von Schnelltest nicht empfohlen. Das molekularbiologische Nachweisverfahren liefert das Ergebnis in wenigen Stunden und ist ebenso zuverlässig wie die Kulturverfahren. Die Kosten sind allerdings sehr hoch und müssen von der Patientin selbst getragen werden.

Alle Tests bergen ein gewisses Risiko, dass eine Besiedelung mit B-Streptokokken trotz korrekt durchgeführtem Test nicht nachgewiesen werden kann und es trotzdem zu einer Infektion beim Neugeborenen kommt. Das betrifft Einzelfälle, lässt sich aber nicht gänzlich ausschließen, da es bei einer Laboruntersuchung keine Treffsicherheit von 100 Prozent geben kann.

Streptokokken Geburt

Konnten die B-Streptokokken mit dem Screening nachgewiesen werden, sollten Sie nicht in Panik verfallen. Eine Behandlung während der Schwangerschaft ist nicht notwendig. Die Infektion des Babys erfolgt während dem Geburtsvorgang, wenn die Fruchtblase platzt und so die Keime aus dem Geburtskanal in das Fruchtwasser gelangen. Wenn das Baby das Fruchtwasser schluckt, gelangen die Streptokokken in den Magen-Darm-Trakt. Sobald es seinen ersten Atemzug macht, geraten die Bakterien auch in die Lunge. Dank der guten Vorsorge erkranken nur noch 34 von 100.000 Babys an einer Infektion. Dies sind jährlich 250 Neugeborene in Deutschland. Das ist ein starker Rückgang: Vor zehn Jahren wurden noch rund 50 Prozent mehr Infektionen verzeichnet.

Die Infektion wird im Mutterpass dokumentiert, damit in der Klinik geeignete Maßnahmen ergriffen werden können. Während dem Geburtsvorgang wird Ihnen das Antibiotikum über eine Armvene in regelmäßigen Abständen verabreicht. Die Häufigkeit richtet sich nach der Dauer der Geburt. Das verwendete Antibiotikum ist in der Regel Penicillin. Leiden Sie an einer Penicillinallergie, sollten Sie dies dem Arzt bereits beim Entnehmen des Abstrichs mitteilen. Das Labor, das den Abstrich untersucht, testet dann die festgestellten Streptokokken auf ihre Empfindlichkeit gegen ein anderes Antibiotikum.

Eine Antibiose, also die Gabe von Antibiotika, während der Geburt ist sinnvoll, wenn

  • der B-Streptokokken-Test positiv war
  • vor der 37. Schwangerschaftswoche die Wehen einsetzen
  • die Geburt länger als 18 Stunden andauert oder
  • während der Wehentätigkeit Fieber bei der Gebärenden festgestellt wird.

Entbinden Sie in einem Krankenhaus, ist die Behandlung kein. Wichtig ist, die Informationen über eine B-Streptokokken-Infektion rechtzeitig weiterzugeben. Es ist sinnvoll, sich im Krankenhaus Ihrer Wahl vorher vorzustellen. Sie werden dort untersucht, es wird eine Patientenakte für Sie angelegt und alles darin vermerkt.

Etwas schwieriger ist es, wenn Sie in einem Geburtshaus oder zu Hause entbinden wollen. Die Antibiose muss unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, was dort nicht gewährleistet werden kann. Es gibt zwar Geburtshäuser, die an Kliniken angebunden sind. Die sind aber selten, so dass Sie sich im Vorfeld erkundigen müssen, ob in dem Geburtshaus Ihrer Wahl die Behandlung mit Antibiotika möglich ist. Die Antibiotikaprophylaxe kann eine Infektion des Neugeborenen in den ersten Lebenstagen meistens verhindern.

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